Der kleine Leo und ich.
Einbrecher und getrennter Urlaub

Ich liebe ihn. Wirklich. Sehr sogar. Aber manchmal wünschte ich, wir müssten uns neben Couch und dem roten Teppich im Flur, dem Hauptverkehrsknotenpunkt, nicht auch noch das Bett teilen. Vor allem, seit das Bett aus Platzgründen nur noch 90 cm breit ist. Dem Leo ist das egal, Hauptsache weich und kuschelig. Und ER hat ja Platz. Wenn ich mal nicht zwischen Leo und der Wand (über die ich froh bin, sonst wäre ich bestimmt einige Male unsanft mit dem Boden in Kontakt gekommen) eingeklemmt bin und auch tatsächlich einschlafen kann, meistens gegen 24 Uhr, reißt er mich, vorzugsweise um 3:33 Uhr aus dem Tiefschlaf, weil er Pipi muss. Gut, ich habe ihm auch mehrfach gesagt, dass er mich bitte wecken möchte, wenn er muss, bevor er sein Pipi in der Wohnung verteilt.
Die Nachbarn kennen mich jetzt, wie ich mitten in der Nacht im Schlaffi, Parker und Pantoffeln ganz zerknittert und zerzaust mit zusammengekniffenen Augen im Vorgarten stehe und zitternd minutenlang darauf warte, dass der Leo mit Pipi machen fertig wird. Anfänglich habe noch gerufen: "Ich wohne hier, auch wenn ich nicht so aussehe", weil ich Angst hatte, sie rufen die Polizei, weil sie mich für einen Ein- oder Ausbrecher halten.

Dafür, dass ich nicht wieder einschlafen kann, kann der Leo nichts. Für seine Diabetes und dass er dadurch blind geworden ist, auch nicht. Aber es wäre ja mal echt ein feiner Zug von ihm, das nicht so raushängen zu lassen. Zumindest ab und zu.
Manchmal, besonders dann, wenn ich mir gerade einen Kaffee gemacht habe, nachdem ich mit dem Leo nachts zwei Mal raus war, einen großen Ausflug mit ihm zu seiner Lieblings-Geschäftsstelle unternommen und brav sein Häufchen eingesammelt habe, nachdem ich ihm, wie immer, sagen musste, er soll nicht kratzen, damit mir dabei der Dreck nicht ins Gesicht fliegt, ihm sein Insulin gespritzt, ihm Wasser und Futter gegeben, Würstchen oder Käse unter sein Futter gemischt und Olivenöl darüber geträufelt habe, nachdem er meinte, es nicht fressen zu müssen, weil es ihm kulinarisch so rein gar nichts gibt, und glaube, jetzt hat er alles und ist zufrieden, mir es mit meinem Kaffee gemütlich mache und dann höre, wie er seinen leeren Wassernapf durch die Küche schiebt, um dezent darauf hinzuweisen, dass sein Napf schon wieder leer ist und er so furchtbar großen Durst hat, dass er, wenn ich nicht SOFORT Wasser nachfülle, auf der Stelle verdurstet, ja, dann denke ich, es wäre doch auch mal schön, getrennt Urlaub zu machen.

Aber nur ganz kurz. Denn ich bin froh, dass er noch da ist.

28.5.15 13:48

Letzte Einträge: Mal eben in den Netto hüpfen Oder: Werde ich alt?, Shopping ist auch nicht mehr, was es einmal war…, Der kleine Leo und ich. Spricht er schon? Oder: Ich kauf' mir ein Würstchen, So schnell kann das gehen..., Das Leben geht weiter...

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen